Arbeitsgruppen im Kompetenznetz Public Health zu COVID-19



Im Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 haben sich mehr als 25 Fachgesellschaften aus dem Bereich Public Health zusammengeschlossen, die  hier ihre methodische, epidemiologische, statistische, sozialwissenschaftliche und (bevölkerungs-)medizinische Fachkenntnis bündeln. 

Aktuell gliedert sich unsere Arbeit in 11 Arbeitsgruppen.

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Modellierung

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Koordination: Prof. André Karch, Dr. Alexander Kuhlmann und Dr. Berit Lange

Um den Verlauf einer Infektionsausbreitung auf Bevölkerungsebene abschätzen zu können, benötigt man dynamische mathematische Modelle, die unter Nutzung der vorhandenen Evidenz die Ausbreitungsdynamik simulieren. Diese Modelle werden fortlaufend im Rahmen der COVID-19 Pandemie eingesetzt und spielen eine wichtige Rolle für die Einschätzung von Effekten von Nicht-Pharmakologischen Interventionen (NPI) auf Populationsebene. Mit zunehmendem Wissen im Laufe der Pandemie können komplexere Modelle herangezogen werden, die Einzelaspekte der Infektionsübertragung sowie der Effektivität eingeleiteter Maßnahmen genauer abbilden können. Zusätzlich können die Modelle auch Nebenwirkungen der NPIs untersuchen und damit eine Plattform für den Vergleich unterschiedlicher Übergangsstrategien bieten.
Folgende Unterthemen werden von der Arbeitsgruppe bearbeitet:

  1. Bereitstellung einer harmonisierten Modellierungsplattform auf Bevölkerungsebene
  2. Untersuchung der Veränderung des Kontaktverhaltens als Grundlage für die Modellparametrisierung
  3. Untersuchung der Effektivität von Nicht-Pharmakologischen Interventionen (NPI) auf Bevölkerungsebene
  4. Vergleichende Simulation von Übergangsstrategien und langfristigen Infektionskontrollkonzepten
  5. Ableitung weiterführender wichtiger Maßzahlen basierend auf Modellergebnissen (Ressourcenbedarf im Gesundheitssystem, Years of Life Lost, Exzessmortalität, DALYs)



Ethik

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Koordination: 
PD Dr. Verina Wild, PD Dr. Jan-Christoph Heilinger und Prof. Georg Marckmann

Die Covid-19 Pandemie fordert politische Entscheidungsträger und Behörden heraus, ethisch brisante Entscheidungen über Public Health Interventionen unter Bedingungen unvollständigen Wissens und teilweise unter großem Zeitdruck zu treffen. Eine politische, juristische oder virologische Bewertung allein kann der ethischen Herausforderung nicht gerecht werden. Entsprechend ist die Perspektive der Public Health Ethik dringend erforderlich. Diese Perspektive ist populationsbezogen, wobei die relevanten Populationen nicht allein regional oder national, sondern auch global verstanden werden. In dieser AG erarbeiten wir eine Handreichung mit einer Übersicht über die grundlegenden Public Health ethischen Dimensionen politischer Entscheidungsfindung angesichts der Covid-19 Pandemie. Weitere Handreichungen zu Covid-19 und Public Health Ethik werden in folgenden Themenbereichen erarbeitet: 

  1. Migration und Flucht
  2. Forschung
  3. Impfung
  4. Übersicht über bestehende Leitlinien und Rahmenwerke



Indirekte Gesundheitsfolgen von Maßnahmen des Infektionsschutzes


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Koordination: Prof. Nico Dragano und Prof. Barbara Hoffmann

Krisen im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge von Gesellschaften hatten in der Vergangenheit immer auch gesundheitliche Folgen. Wenn sich die Lebensumstände von Menschen verschlechtern, weil sie etwa arbeitslos werden, steigen ihre psychosozialen und materiellen Belastungen. In diesem Zusammenhang erhöht sich wiederum das Risiko für zahlreiche Erkrankungen (z.B. Herzkrankheiten, Depression). Bei der Betrachtung der gesundheitlichen Wirkung einschneidender Maßnahmen beispielsweise zum Infektionsschutz muss dieser Einfluss mitbeachtet und aus Basis solider wissenschaftlicher Evidenz bewertet werden. So können Verantwortliche mögliche gesundheitliche „Folgekosten“ in ihren Entscheidungen einkalkulieren und dadurch berücksichtigen. Die AG beschäftigt sich mit diesem Themenkomplex. Derzeit gibt es folgende Unterthemen: 

  1. Gesundheitliche Folgen steigender Arbeitslosigkeit oder steigender prekärer Beschäftigung
  2. Verschärfung sozialer Ungleichheit der Gesundheit
  3. Erkenntnisse aus früheren Wirtschaftskrisen
  4. Folgen für die umweltbezogene Gesundheit


Gesundheitliche Aspekte der sozialen Isolation


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Koordination: Prof. Steffi Riedel Heller, Prof. Andreas Seidler und Prof. Christian Apfelbacher

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen zur Vermeidung einer Weiterverbreitung des neuen Coronavirus führen zur sozialen Isolation. Besonders betroffen sind chronisch Kranke sowie ältere Menschen im Alten- oder Pflegeheim oder in der häuslichen Isolation. Soziale Isolation bringt psychische Belastungen und Beanspruchungen mit sich, die zu psychischen Erkrankungen – u.a. Depressionen – führen können. Darüber hinaus können Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen oder verstärkt werden, und nicht zuletzt ist ein Anstieg der Sterblichkeit durch soziale Isolation beschrieben. Folgende Unterthemen werden von der Arbeitsgruppe bearbeitet:

  1. Soziale Isolation Älterer infolge Covid-19-Maßnahmen
  2. Psychische Risiken und Folgen durch soziale Isolation
  3. Soziale Isolation als Mortalitätsrisiko
  4. Bewegungsarmut und Herz-Kreislauf-Risiken bei sozialer Isolation (zusammen mit der AG Indirekte Folgen des Infektionsschutzes)
  5. Public Mental Health-Interventionen zur Verminderung der psychosozialen Folgen der Covid-19 Pandemie
  6. Alter als „Isolationskriterium“ - Auswirkungen auf ältere Beschäftigte (zusammen mit der AG Arbeit und Gesundheit)
  7. Häusliche Gewalt
  8. Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der Krise


Risikokommunikation und -wahrnehmung


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Koordination: Prof. Martin Härter

Die Arbeitsgruppe zur Risikokommunikation und Risikowahrnehmung beschäftigt sich seit dem 16.4.2020 mit folgenden Fragen, die in der Folge weiter präzisiert, priorisiert und beantwortet werden sollen:

  1. Bedarf an und Methoden sachgerechter, angemessener und effektiver Risikokommunikation, um Adhärenz und Compliance mit verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen langfristig und nachhaltig zu sichern
  2. Effekte und Risiken der Risikokommunikation auf/für die Bevölkerung und Individuen, einschließlich des Umgang mit „Fake News“ (z. B. in sozialen Medien) und der Verarbeitung von Risiken bei den Rezipienten
  3. Strategische Ausrichtung einer „verbesserten“ Risikokommunikation, einschließlich der Vermeidung von „Ermüdungstendenzen“ z. B. durch ineffektive Kommunikation von Zahlen und Statistiken, der Entwicklung positiver Botschaften sowie die Berücksichtigung möglicher Zielkonflikte der Politik, um effektive Verhaltens- und Verhältnisprävention zu fördern



Vulnerabilität


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Koordination: Prof. Kayvan Bozorgmehr und Dr. Florence Samkange-Zeeb

Aus der Perspektive gesundheitlicher Chancengleichheit kommt der Betrachtung von Vulnerabilität im Zuge der Sars-CoV2 Pandemie eine wichtige Bedeutung zu. Diese kann zum einen biologisch determiniert sein, und Personengruppen umfassen, die durch ihr Alter oder Vorerkrankungen als klassische „Risikogruppe“ für schwere Folgen einer Infektion mit Sars-CoV2 gelten. Zum anderen können bestimmte Settings, Kontexte, und sozioökonomische Bedingungen das Risiko für eine Infektion oder für schwere Konsequenzen einer Covid19 Erkrankung bei Menschen erhöhen, die nicht zu den klassischen Gruppen gehören. Als Beispiele seien Arbeits- und Lebensbedingungen genannt, die „social distancing“ und Selbstisolation nicht oder nur begrenzt ermöglichen. Schließlich können die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung der Sars-CoV2 ihrerseits „neue“ Vulnerabilitäten erzeugen, oder bestehende verschärfen. Die AG bündelt und synthetisiert wissenschaftliche Evidenz beispielsweise zu folgenden Unterthemen:
 
  1. Migration, Flucht und (prekäre) Arbeitsmigration
  2. Wohnungs- und Obdachlosigkeit
  3. Soziale Benachteiligung und Deprivation
  4. (Häusliche) Gewalt
  5. Gender



Gesundheit und Arbeit


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Koordination: Prof. Volker Harth und Prof. Peter Angerer

Menschen stehen an ihrem Arbeitsplatz einer Vielzahl von physischen und psychischen Belastungen und Beanspruchungsfaktoren gegenüber. Diese stehen in engen Wechselbeziehungen zwischen Arbeits- und Lebenswelten sowie Gesundheit und Krankheiten.
In der Pandemie-Situation stellen sich eine Reihe von speziellen Fragen zum Umgang mit der Infektionsgefahr am Arbeitsplatz, ebenso wie auf dem Weg zur Arbeit, die nicht einfach mit de allgemeinen Regeln beantwortet werden können. So gilt es in es in einem Public-Health orientierten Ansatz gerade während einer Pandemie, die physische und psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit arbeitender Menschen zu erhalten. Dazu müssen auf wissenschaftlicher Basis Massnahmen abgeleitet werden, bei deren Entwicklung somatische, psychische und soziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt werden.
In Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftsdisziplinen wird die AG „Gesundheit und Arbeit“ daher konkrete Handlungsempfehlungen konzipieren, mit denen nicht nur die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft, sondern auch die Allgemeinbevölkerung relevante Informationen zur individuellen Prävention und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz erhält.
Unter Einbeziehung verschiedener Wissenschaftsdisziplinen beschäftigt sich die AG „Gesundheit und Arbeitsplatz“ daher in Unterarbeitsgruppen (UAG) mit den folgenden Themenkomplexen:
 
  1. Risikogruppen im Betrieb, betriebliche Gefährdungsbeurteilung
  2. Technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen
  3. Homeoffice/Virtuelles Arbeiten
  4. Soziale Isolation und Alter als Isolationskriterium
  5. Psychische Arbeitsbelastungen während der COVID-19-Pandemie (bei Beschäftigten am regulären Arbeitsplatz)


Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Nicht-Pharmakologischen Interventionen (NPI)


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Koordination: Prof. Dr. Gerald Gartlehner und Prof. Dr. Uwe Siebert

Als Antwort auf die Covid-19 Pandemie wurden verschiedene Nicht-Pharmakologische Interventionen (NPI) wie Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen, Kontaktrestriktion oder das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Kraft gesetzt. Ferner werden Maßnahmen zum Kontakt-Tracing diskutiert. Diese Maßnahmen haben intendierte und nichtintendierte Konsequenzen auf die individuelle und öffentliche Gesundheit. Der erwarteten Wirksamkeit hinsichtlich der Reduktion von Ausbreitungsgeschwindigkeit, Morbidität und Mortalität stehen u.a. direkte gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Nebenwirkungen gegenüber und es stellen sich ethische und rechtliche Fragen. In diesem Kontext bedarf es (1) einer evidenzbasierten Evaluation der Wirksamkeit und Nebenwirkungen der NPIs sowie (2) einer professionellen, expliziten, transparenten, interdisziplinären und demokratischen Abwägung der Wirksamkeit und der nichtintendierten Effekte der NPIs. Da davon auszugehen ist, dass uns die Covid-19 Pandemie noch Monate bzw. Jahre beschäftigen wird, ist neben der kurzfristigen Politikberatung auch dringend eine vorausschauende langfristige Perspektive erforderlich. Derzeit sind folgende Unterthemen vorgesehen:

  1. Evaluation der Wirksamkeit von NPIs
  2. Evaluation der Nebenwirkungen von NPIs
  3. Evidenzbasierte Ansätze zur Abwägung zwischen Wirksamkeit (Nutzen) und Nebenwirkungen (Schaden)
  4. Qualitätssicherung von Rapid Reviews und empirischen Originalstudien zu NPIs
 
Die Arbeitsgruppe versteht sich als Plattform für einen interdisziplinären Austausch mit den anderen Arbeitsgruppen des Kompetenznetzwerks und einem internationalen Austausch mit anderen Netzwerken. Im Rahmen der Bewertung von Studien, der Synthese der Studienergebnisse und der systematischen Abwägung der Konsequenzen der NPIs kommen u.a. die Instrumente der evidenzbasierten Medizin und des Health Technology Assessment zum Einsatz. Die Aktivitäten sollen u.a. der evidenzbasierte Priorisierung von erforderlichen Forschungsvorhaben dienen.


Gesundheitskompetenz


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Koordination: Prof. Eva Bitzer und Prof. Christian Apfelbacher

Gesundheitskompetenz beschreibt im Kern die individuelle Fähigkeit, gesundheitliche Information zu suchen & finden, zu verstehen, zu bewerten und für gute gesundheitsbezogene Entscheidungen zu nutzen. Persönlich hoch ausgeprägte Gesundheitskompetenz ist eine Ressource, sie kommt in adäquaten gesundheitlichen Entscheidungen zum Ausdruck und unterstützt so den Erhalt und die Förderung von Gesundheit. Individuelle Gesundheitskompetenz lässt sich vermitteln. Die Frage ist, welche der als in anderen Feldern als effektiv erkannten Strategien sind im Zusammenhang mit Covid-19 erfolgversprechend. Derzeit gibt es folgende Unterthemen:

  1. Wie kann man zuverlässige Informationen möglichst weit verbreiten?
  2. Wie kann man Unsicherheit verständlich kommunizieren?
Zum Umgang mit Falsch- und Desinformation:

  1. Fehlinformation wie quantifizieren und beobachten
  2. Fehlinformationen richtig stellen (Wie, Wer, Wirksamkeit)
  3. Die Rolle von Fact-Checking


Anforderungen an das deutsche Gesundheitssystem


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Koordination Prof. Wolfgang Hoffmann und Prof. Jochen Schmitt

Die AG wird eine retrospektive und prospektive Analyse der COVID-Versorgung in Deutschland zum Thema haben. Dies betrifft die direkte Versorgungssituation, die Versorgungsstrukturen, den Informationsfluss, Management der regionalen und überregionalen sektorübergreifenden Versorgung, die Gesundheitsökonomie, die Patientenbeteiligung. Ganz speziell werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie in Krisenzeiten, also in Zeiten der Ungewissheit, evidenzbasiertes staatliches Handeln und datengestütztes Management der Verteilung von Ressourcen im Gesundheitssystem gefördert werden kann. Weitere Schwerpunkte sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Versorgung anderer Krankheitsbilder (z.B. elektive OPs, Schlaganfälle, Herzinfarkte, Diabetes) zu analysieren und Konzepte zu entwerfen, die Unter-, Fehl- und Überversorgung minimieren.

Die AG widmet sich der prospektiven und retrospektive Analysen der COVID Versorgung unter den Aspekten der Gesundheitsökonomie, der Bedarfsplanung und der (regionalen) Versorgungsstrukturen und deren Organisation. Ein wichtiges Thema sind die notwendigen und sinnvollen Vorhaltungen für Krisensituationen. Erste aktuelle Studien sind zu diesen Themenfeldern begonnen worden und die AG wird die Aktivitäten verfolgen und (Zwischen-)Ergebnisse dieser Studien in die Analyse einfließen lassen.

Themenstellungen sind:

  1. Welche Folgen hat die Umsteuerung auf COVID-19-Patienten für die Kliniken und Patienten mit anderen (chronischen Erkrankungen) kurz- und mittelfristig (Kollateralschäden)?
  2. Welcher Umsteuerungsbedarf lässt sich aus den bisherigen Erfahrungen in der Corona-Krise ablesen, damit für alle Patient*innen in Deutschland gute Behandlungsqualität erzielt werden kann?
  3. Wie effektiv und valide war das Informationsangebot? Welche Informationsflüsse sind für ein wirksames Management erforderlich? Auf welcher Informationsbasis kann eine ggfs. regional differenzierte Feinsteuerung von Öffnungsmaßnahmen und das Monitoring von deren Auswirkungen gelingen?
  4. Wie kann sich das deutsche Gesundheitswesen organisatorisch und administrativ auf die Bewältigung von zukünftigen Krisensituationen vorbereiten. Hierzu gehören auch rechtliche und finanzielle Fragen.
  5. Welche Institutionen, welche Strukturen, Kapazitäten, Ausstattung, Material und welches Personal muss regional vorgehalten werden und zusätzlich finanziert werden, um in Krisenfällen angemessen und schnell reagieren zu können?


Methoden


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Koordination: Dr. Verena Hoffmann, Prof. Carsten Oliver Schmidt, Dr. Irene Schmidtmann

Neben Fragen der Modellierung der Pandemie und daraus resultierender Empfehlungen ergeben sich durch die Pandemie und die zu ihrer Eindämmung getroffenen Maßnahmen viele methodische Herausforderungen. Einerseits werden laufende Studien nachteilig beeinflusst, andererseits stellt sich die Erfordernis von Guidance zur harmonisierten Etablierung neuer COVID-19 bezogener Studien.

Die Arbeitsgruppe Methoden wird diese Herausforderungen mit folgenden Schwerpunkten fokussieren:

  1. Klinische Studien, insbesondere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) können oft nicht protokoll­gerecht fortgeführt werden, wenn Patienten z. B. nicht wie geplant Studienvisiten wahrnehmen können. Zudem können Studienendpunkte durch die Pandemie beeinflusst werden. Durch die Störungen im Studienablauf sowie Effekte auf Studienendpunkte kann es zu Bias in den Studienergebnissen kommen. Es ist wünschenswert, die bereits gewonnene Information dennoch zu nutzen und Studien möglichst fortzuführen.
  2. Epidemiologische Beobachtungs- und Interventionsstudien stehen vor ähnlichen Problemen, insbesondere dann, wenn Parameter wie etwa Lebensqualität, Bewegung oder Ernährung vor Intervention mit den entsprechenden Parametern nach Intervention verglichen werden sollen. Auch die Unterbrechung von Untersuchungen in derzeit laufenden Kohortenstudien (Nako, EPIC, SHIP, GHS, KORA, …) bringt methodische Probleme mit sich, die angegangen werden müssen. Dies schließt auch einen Bezug zu Sekundärdaten ein.
  3. Mit dem Beginn zahlreicher bevölkerungsbezogener und klinisch-epidemiologischer Studien zur COVID-19 Pandemie ergeben sich neue methodische Anforderungen hinsichtlich Design und Analyse, beispielsweise durch noch vorhandene Unsicherheit im Hinblick auf Sensitivität und Spezifität der Tests, unvollständigem Testen oder auch Selektionseffekten in der Rekrutierung von Studienteilnehmern. Gleichzeitig ist darauf zu achten, das Studien mit größtmöglicher Vergleichbarkeit implementiert und soweit als möglich F.A.I.R. sind.

Arbeitsergebnisse in Kooperation mit den Fachgesellschaften sowie nationalen wie internationalen Initiativen werden methodische und statistische Guidance Dokumente sein.

 



Pflege, Gesundheit, Altern


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Koordination: Dr. Annett Horn und Prof. Thomas Fischer

Pflege leistet in allen Versorgungssettings substanzielle Beiträge und umfasst u.a. Gesundheitsförderung, Prävention, Edukation, Beratung, die Unterstützung in Phasen akuter Krankheit sowie beim Leben mit Krankheit. Sie richtet sich an Menschen jeglichen Alters, trägt zugleich oft besondere Verantwortung für die Teilhabe und Versorgung von Menschen mit dauerhaftem Pflegebedarf, häufig alte Menschen. Die Auswirkungen der COVID19-Pandemie werden daher in wesentlichen Bereichen auch von Pflegefachpersonen getragen. Insbesondere pflegende Angehörige und Ehrenamtliche sind außerdem für die Versorgung im häuslichen Bereich entscheidend.

Die COVID-19-Erkrankung führt zu ausgeprägten, komplexen pflegerischen Bedarfen, bei denen herkömmliche Versorgungskonzepte oft nicht greifen, während gleichzeitig die Rahmenbedingungen für hochwertige Pflege in Frage stehen und die Folgen eines mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Pflegenotstands deutlich zu Tage treten. Gesteigerter Anforderungen an die Pflegefachpersonen, aber auch erhöhte Morbidität und Mortalität in der Berufsgruppe sind zu beobachten. Die Anforderungen an die Pflege werden u.a. durch die unterschiedlich stark ausgebildete Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung beeinflusst. Chancen ergeben sich u.a. aus Digitalisierungsstrategien.

Das Spektrum der Arbeitsgruppe umfasst vorwiegend folgende Themenbereich:

  1. Förderung von Gesundheit, Teilhabe und Versorgung von älteren Menschen mit Pflegebedarf während der COVID-19 Pandemie.
  2. Öffnung der stationären Pflegeeinrichtungen.
  3. Auswirkungen der Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen auf:
    • die Bewohner_innen und Nutzer_innen von stationärer und ambulanter Langzeitpflege, Palliativversorgung und Hospizen; etwa in Hinblick auf Morbidität, Mortalität, Pflegebedürftigkeit, soziale Teilhabe und Lebensqualität,
    • Pflegefachpersonen, etwa in Hinblick auf Anforderungen und Arbeitsbelastung, Morbidität und Mortalität,
    • die Ressourcenverfügbarkeit und Versorgungsabläufe in den Organisationen / Einrichtungen.
  4. Bedingungsfaktoren von COVID19-Clustern in ambulanten Diensten und stationären Pflegeeinrichtungen / Schutzfaktoren.
  5. Situation von und Unterstützungsmaßnahmen für pflegende Angehörige und Ehrenamtliche, insbesondere in der häuslichen Pflege.
  6. Bedarfsgerechte pflegerische Versorgungskonzepte und erforderliche Kompetenzen für die Akutversorgung von COVID19-Erkrankten in Kliniken und Rehabilitation.
  7. Konsequenzen für Anforderungen professioneller Pflege, hier auch Delegation ärztlicher und pflegerischer Leistungen / Veränderungen Kooperation gesundheitlicher / pflegerischer Versorgung.
  8. Berücksichtigung der Pflege und Rolle von Pflegefachpersonen im Öffentlichen Gesundheitsdienst und im Bereich des bevölkerungsbezogenen Infektionsschutzes.

Übergangsstrategien


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Koordination: Prof. Hajo Zeeb und Prof. Ansgar Gerhardus

In vielen Ländern der Welt sind umfangreiche und z.T. drastische Maßnahmen ergriffen worden, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen, die Infektionsketten zu brechen und vor allem die Kapazitäten des Gesundheitswesens nicht zu überlasten – mit unterschiedlichem Erfolg. Das soziale Leben ist dabei weitgehend zum Erliegen gekommen, auch in Deutschland. Wie geht es weiter, welche Szenarien und Strategien werden diskutiert und mit welchen Auswirkungen unterschiedlicher Vorgehensweisen ist zu rechnen? Die AG wird sich mit verschiedenen Szenarien für den Übergang von einem kompletten Lockdown in eine „Nach-Lockdown“ –Zeit beschäftigen. Folgende Unterthemen sind derzeit avisiert:

  1. Übersicht über die wichtigsten diskutierten Szenarien
  2. Strukturierte Analyse einzelner Szenarien in Hinsicht auf epidemiologische, soziale und wirtschaftliche Folgen sowie Auswirkungen auf das Gesundheitssystem
  3. Gesundheitsfolgenabschätzung einzelner Szenarien auf Basis gemachter Erfahrungen in anderen Ländern
  4. Apps zu COVID-19